<?xml version="1.0" encoding="utf-8" standalone="yes"?><rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Politik · folgend.es</title><link>https://folgend.es/tags/politik/</link><description>Der Blog von Marlene und Dirk.</description><generator>Hugo</generator><language>de-DE</language><atom:link href="https://folgend.es/tags/politik/index.xml" rel="self" type="application/rss+xml"/><lastBuildDate>Wed, 09 Sep 2026 09:10:00 +0200</lastBuildDate><item><title>Deutschland, und nun?</title><link>https://folgend.es/2026/09/deutschland-und-nun/</link><pubDate>Wed, 09 Sep 2026 09:10:00 +0200</pubDate><author>Marlene</author><category>Politik</category><guid>https://folgend.es/2026/09/deutschland-und-nun/</guid><description>&lt;p&gt;Nun ist am Sonntag also das passiert, was die Umfragen schon seit längerem vorhergesagt haben, das, was, so schmerzlich es ist, vielleicht sogar unvermeidlich war: Die AfD ist stärkste Kraft in Sachsen-Anhalt geworden. Zwar ohne absolute Mehrheit, aber doch auf historischem Hoch – und mit historischem Tief für die CDU. Der Auftrag zur Regierungsbildung liegt, auch das schmerzlich zu bemerken, bei der AfD. Wie es weitergeht, ist zu diesem Zeitpunkt ungewiss.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Ich schreibe diesen Text nicht, um einen weiteren Erklärungsversuch für den Erfolg der AfD beizusteuern. Ich schreibe diesen Text, weil ich mir die Frage stelle, wie all jene unter uns, die die AfD nicht wählen, nun weitermachen können oder vielleicht auch weitermachen sollten.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Noch immer ist es die Mehrheit der Menschen in diesem Land, die eine AfD-geführte Regierung im Bund nicht will – auch wenn das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt vor allem als eine Reaktion auf die Bundespolitik zu verstehen ist. Und doch: Laut aktuellen Antworten auf die Sonntagsfrage käme die AfD bei der nächsten Bundestagswahl „nur“ auf 27 Prozent der Stimmen. Damit wäre sie zwar stärkste Kraft, doch bleibt, wie gesagt, klar: Die Mehrheit der Deutschen will die AfD auf Bundesebene nicht.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Das beruhigt mich, noch. Allerdings ist die AfD seit April gemäß der genannten Umfrage &lt;em&gt;konstant&lt;/em&gt; die Partei mit den meisten Stimmen. Wie sich dieser Trend entwickelt? Auch das ungewiss. Unwahrscheinlich ist es jedoch nicht, dass die AfD ihre Zustimmungswerte auch künftig weiter steigern kann. Denn die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung ist, ob gerechtfertigt oder nicht, schließlich so groß wie nie und die Krisen, die es zu bewältigen gilt, sind es nicht minder.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Zurück also zu der Frage, was wir als Einzelne tun können, wenn wir etwas dazu beitragen möchten, dass die AfD nicht weiter erstarkt. Ich glaube, dass wir auch im Kleinen und Alltäglichen in diese Richtung wirken können. Dabei will ich zwei Dinge ganz klar vorwegschicken: Sicherlich liegt der größte Hebel gegen eine wachsende AfD in der Politik, etwa im Umgang der Politikerinnen und Politiker mit den Wählenden. Und natürlich wird sich nicht jeder Mensch, der die AfD wählt, von dir und mir von etwas anderem überzeugen lassen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Einige dieser Menschen haben sich in der AfD-Ideologie – vielleicht vollständig und für immer – verloren. Doch es gibt auch Menschen, die dort gerade feststecken, aus diversen Gründen, die, in Ruhe betrachtet, zu dem folgerichtigen Ergebnis, eben diesem Feststecken, führen mussten. Und es gibt Menschen, die noch auf der Kippe stehen. Um diese beiden Gruppen von Menschen, die Feststeckenden und die auf der Kippe Stehenden, geht es mir. Selbstverständlich mache ich hier ein Gegeneinander auf, - wir und die, „richtig“ und „falsch“; auch das, ich fürchte, folgerichtig. Deutschland ist inzwischen ein gespaltenes Land. Als Demokratin und Demokrat muss es aber unser Ziel sein, Brücken zu bauen, die den Spalt überwindbar machen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Beginnen sollten wir dazu bei uns selbst, mit einem kritischen Blick auf unsere Grundeinstellung: Sind wir noch in der Lage und sind wir willens, unserem Gegenüber freundlich und empathisch zu begegnen, auch dann, wenn wir dessen Meinungen und Ansichten nicht teilen? Können wir dem oder der anderen noch richtig zuhören und sind wir offen für dessen oder deren Sorgen und Nöte? Und was ist generell mit unserem Umgangston? Im Privaten, aber auch im digitalen und im öffentlichen Raum? Überall da, wo ich Unbekannte oder Andersdenkende treffe? Ich würde behaupten, dass wir hier alle schon einmal besser, meint: freundlicher, offener waren. Ich bin davon überzeugt, dass jeder und jede einzelne von uns durch eine offene und freundliche Einstellung gegenüber unseren Mitmenschen zu einem besseren Klima innerhalb der Gesellschaft beitragen kann, etwa durch bewusstere Wortwahl in den sozialen Medien. Das ist Arbeit, aber ich bin überzeugt, dass sich diese Arbeit lohnt. Denn ehrlich: Wem helfen Aussagen wie „Merz leck Eier“?&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Auch das allzu reflexhafte Abstempeln „Du wählst AfD? Du musst ein Idiot/Nazi sein“ braucht mehr Differenzierung. Nicht alle, die die AfD wählen oder mit ihr sympathisieren, sind Idioten oder rechtsextrem, ebenso wenig wie es alle AfD-Mitglieder sind. Ich möchte die AfD mit diesem Satz nicht normalisieren oder kleinreden, auch mir wird schlecht, wenn ich Wortmeldungen einiger ihrer Mitglieder und Anhänger höre. Trotzdem glaube ich, dass das Verallgemeinern der falsche Weg ist. Es verhindert das genaue Hinsehen. Es ist die Reduktion von Komplexität, die der Sache unangemessen ist. Und es ist eine Analogie zu rechtsextremen Gedankengängen wie „Du bist Geflüchteter? Du musst Terrorist sein“.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Viele Menschen, die die AfD wählen, sind gesellschaftlich abgehängt, schlecht eingebunden. Viele von ihnen haben Existenzängste. Viele von ihnen wurden eingefangen durch propagandistische Reels und Rauschreden, deren Verfasser auf Emotionen statt Argumente setzen und den Ängste der Menschen mit falschen Versprechungen begegnen.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Nun kann man sagen, dass die Menschen, die den einfachen Antworten glauben, einfach zu dumm, zu unreflektiert sind. Doch wie soll jemand, der sich den ganzen Tag in einer Echokammer, ob nun im digitalen oder im realen Raum, aufhält, von selbst auf andere Gedanken kommen? Insbesondere dann, wenn diese Person vielleicht nicht über einen gewissen Bildungsstand verfügt?&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Genau darum dürfen wir nicht aufhören, miteinander zu reden. Wir dürfen nicht aufhören, zu versuchen, einander zu verstehen. Wenn möglich, sollten wir mit jenen aktiv das Gespräch suchen, die das genaue Gegenteil von dem denken, was wir denken. Auch das ist nicht leicht und verlangt uns sicher einiges ab. Doch die Alternative sind die Gräben, die immer tiefer werden.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Viele Menschen sind zudem bereits auf die Straße gegangen, um gegen die AfD und ihre Ideologie und für Vielfalt zu protestieren. Das halte ich für wichtig und richtig – wenn die Demonstrationen friedlich verlaufen. Denn gewaltsame Proteste führen, davon bin ich überzeugt, nicht dazu, dass AfD-Wählende ihre Meinung ändern. Im schlimmsten Fall passiert sogar das Gegenteil: Die Menschen fühlen sich in ihrer Meinung bestärkt oder weitere Menschen entscheiden sich für die Partei.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Vielleicht, oder sogar wahrscheinlich, führen auch friedliche Demonstrationen nicht zu einem Sinneswandel unter den AfD-Anhängern, aber sie stiften für uns andere ein Gemeinschaftsgefühl und senden nicht zuletzt an all jene ein wichtiges Signal, die von Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung betroffen sind.&lt;/p&gt;&#10;&lt;p&gt;Zum Abschluss noch das Offensichtlichste, das wir als Bürgerinnen und Bürger in einer Demokratie tun können – nein, sollten: Bei der nächsten Wahl, ob im Bund oder im Land, wählen zu gehen. Den größten Zuwachs verzeichnete die AfD in Sachsen-Anhalt unter den Nichtwählenden. Wer also bei der letzten Wahl zuhause geblieben ist, künftig aber nicht von der AfD regiert werden möchte, gebe bitte beim nächsten Mal seine/ihre Stimme ab. Es steht viel auf dem Spiel.&lt;/p&gt;&#10;</description></item></channel></rss>